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Adipositas – ganzheitlich therapieren statt Diät

  • 28. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Adipositas (Fettleibigkeit) ist längst mehr als ein ästhetisches Problem. Sie gilt als chronische Erkrankung mit komplexen Ursachen und weitreichenden gesundheitlichen Folgen. Eine erfolgreiche Behandlung erfordert ein ganzheitliches Konzept, das Lebensstil, medizinische Therapie und psychologische Unterstützung kombiniert.

Nachhaltige Veränderungen sind wirksamer als kurzfristige Diäten – und Unterstützung erhöht die Erfolgschancen erheblich.

Was bedeutet Adipositas?


Adipositas wird über den Body-Mass-Index (BMI) definiert. Ein BMI von ≥ 30 kg/m² gilt als adipös. Dabei unterscheidet man:

• Grad I: BMI 30–34,9

• Grad II: BMI 35–39,9

• Grad III: BMI ≥ 40

Wichtig: Der BMI ist ein grober Richtwert. Körperzusammensetzung und Fettverteilung spielen eine entscheidende Rolle für das Gesundheitsrisiko.

Wodurch wird Fettleibigkeit ausgelöst oder gefördert?


Adipositas entsteht meist durch ein langfristiges Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Dahinter stehen jedoch viele Faktoren:

• Ernährung: energiedichte, stark verarbeitete Lebensmittel

• Bewegungsmangel: sitzender Lebensstil

• Umweltfaktoren: Verfügbarkeit von Fast Food, Stress, Schlafmangel

• Psychologische Faktoren: emotionales Essen, Stressbewältigung über Nahrung

• Medikamente: z. B. Antidepressiva, Kortison

• Sozioökonomische Faktoren: Bildung, Einkommen

Adipositas ist also eine multifaktorielle Erkrankung, nicht bloß „Willensschwäche“.

Gibt es eine genetische Disposition?


Ja. Studien zeigen, dass 40–70 % der Gewichtsunterschiede genetisch beeinflusst sein können.

• Gene beeinflussen u. a. Appetit, Sättigungsgefühl und Energieverbrauch

• Seltene monogene Formen (z. B. Leptinmangel) existieren, sind aber selten

• Häufig ist es ein Zusammenspiel vieler Gene („polygen“)

Genetik bestimmt jedoch nicht das Schicksal – Umwelt und Verhalten bleiben entscheidend.

Liegt eine Stoffwechselerkrankung vor?


Adipositas selbst ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, da sie mit Veränderungen einhergeht wie:

• Insulinresistenz

• gestörter Fettstoffwechsel

• hormonelle Dysregulation

In seltenen Fällen kann eine andere Erkrankung die Gewichtszunahme verursachen, z. B.:

• Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

• Cushing-Syndrom

Welche Fettverteilungstypen gibt es?


Die Fettverteilung ist entscheidend für das Risiko:

• Androider Typ („Apfeltyp“)

o Fett vor allem im Bauchbereich

o höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

• Gynoider Typ („Birnentyp“)

o Fett an Hüften und Oberschenkeln

o geringeres metabolisches Risiko

Viszerales (inneres Bauchfett) ist besonders gefährlich.

Welche Symptome treten bei Fettleibigkeit auf?


Neben der Gewichtszunahme können auftreten:

• Kurzatmigkeit

• Gelenkschmerzen

• Schwitzen, reduzierte Belastbarkeit

• Schlafstörungen (z. B. Schlafapnoe)

• Müdigkeit

• eingeschränkte Mobilität

Für welche Krankheiten ist Adipositas ein Risikofaktor?


Adipositas erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen:

• Typ-2-Diabetes

• Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt)

• Fettstoffwechselstörungen

• Nicht-alkoholische Fettleber

• Bestimmte Krebsarten (z. B. Darm-, Brustkrebs)

• Arthrose

• Schlafapnoe

• Depressionen

Wie kann Fettleibigkeit behandelt werden?


Die Behandlung basiert auf mehreren Säulen:

1. Lebensstiländerung

• Kalorienreduzierte, ausgewogene Ernährung

• Regelmäßige Bewegung (150–300 Minuten/Woche)

• Verhaltensänderung (z. B. Essgewohnheiten reflektieren)

2. Verhaltenstherapie

• Umgang mit emotionalem Essen

• Aufbau nachhaltiger Routinen

Wann ist eine medikamentöse Behandlung notwendig?


Medikamente kommen in Betracht bei:

• BMI ≥ 30

• oder BMI ≥ 27 mit Begleiterkrankungen

Ziel: Unterstützung der Gewichtsabnahme durch Einfluss auf Appetit oder Stoffwechsel.

Die medikamentöse Therapie erfolgt immer ergänzend zur Lebensstiländerung, nicht als Ersatz.

Wann kommt eine Operation in Frage?


Eine bariatrische Operation wird erwogen bei:

• BMI ≥ 40

• oder BMI ≥ 35 mit schweren Begleiterkrankungen

Typische Verfahren:

• Magenbypass

• Schlauchmagen

Diese Eingriffe sind effektiv, erfordern aber lebenslange Nachsorge.

Wie kann das Gewicht nach erfolgreicher Abnahme gehalten werden?


Gewichtsstabilisierung ist oft die größte Herausforderung. Erfolgsfaktoren:

• langfristige Ernährungsumstellung (keine kurzfristige Diät)

• regelmäßige Bewegung

• Selbstkontrolle (z. B. Wiegen, Ernährungstagebuch)

• stabile Routinen

• soziale Unterstützung

Rückfälle sind häufig – entscheidend ist der langfristige Umgang damit.

Unter welchen psychologischen Problemen leiden Betroffene?


Adipositas ist oft mit psychischen Belastungen verbunden:

• Stigmatisierung und Diskriminierung

• Niedriges Selbstwertgefühl

• Depressionen und Angststörungen

• Essstörungen (z. B. Binge Eating)

• soziale Isolation

Internationale Leitlinien und Fachgesellschaften

• World Health Organization (WHO) – Obesity and Overweight Fact Sheet

Umfassende Grundlagen zu Definition, Ursachen, Risikofaktoren und globaler Häufigkeit von Adipositas. (Weltgesundheitsorganisation)

• European Association for the Study of Obesity (EASO) – Guidelines

Europäische evidenzbasierte Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von Adipositas. (EASO)

• EASO – Framework for the Pharmacological Treatment of Obesity

Aktuelle Empfehlungen zur medikamentösen Behandlung, inklusive GLP-1-Therapien. (EASO)

• European Guidelines for Obesity Management in Adults (PMC)

Wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu Diagnostik, Lebensstiltherapie und Langzeitmanagement. (PMC)

Österreichische Leitlinien und Informationen


• Österreichische Adipositas Gesellschaft – Österreichische Leitlinien

Nationale Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Adipositas bei Erwachsenen. (adipositas-austria.org)

• Österreichische Adipositas Gesellschaft – Therapieoptionen

Übersicht über Lebensstiltherapie, Medikamente und bariatrische Chirurgie in Österreich. (adipositas-austria.org)

• Österreichisches Gesundheitsportal – Adipositas

Gut verständliche Informationen zu Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten. (Gesundheitsportal)

Wissenschaftliche Fachliteratur


• Hassapidou M. et al.

European Association for the Study of Obesity Position Statement on Medical Nutrition Therapy for the Management of Overweight and Obesity in Adults.

Veröffentlicht in: Obesity Facts (2022). (PMC)

• Yumuk V. et al.

European Guidelines for Obesity Management in Adults.

Veröffentlicht in: Obesity Facts (2015). (PMC)

• Bowman-Busato J. et al.

Providing a common language for obesity: the European obesity taxonomy.

Veröffentlicht in: International Journal of Obesity (2025). (Nature)

• WHO & NCD Risk Factor Collaboration

Internationale epidemiologische Daten zur weltweiten Zunahme von Adipositas. (Reuters)

Evidenzbasierte Kernaussagen aus den Leitlinien


• Adipositas wird heute als chronische multifaktorielle Erkrankung verstanden. (EASO)

• Eine nachhaltige Behandlung basiert auf:

o Ernährungsumstellung

o Bewegung

o Verhaltenstherapie

o gegebenenfalls medikamentöser Therapie oder bariatrischer Chirurgie. (EASO)

• Bereits eine Gewichtsreduktion von 5–10 % kann gesundheitliche Risiken deutlich senken. (escardio.org)

• Psychologische Unterstützung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. (EASO)


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