Cholesterin und Lipidstoffwechsel - lebenswichtige Prozesse im menschlichen Körper
- PatientInnenportal

- 5. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Aug. 2025

Der Lipidstoffwechsel ist ein faszinierender und lebenswichtiger Prozess im menschlichen Körper, bei dem Fette – sogenannte Lipide – aufgenommen, transportiert, umgewandelt und gespeichert werden. Zu diesen Lipiden zählen unter anderem Triglyzeride, Phospholipide und das viel diskutierte Cholesterin. Trotz seines oft schlechten Rufs ist Cholesterin ein unentbehrlicher Bestandteil dieses Kreislaufs.
Gerät dieser Stoffwechsel jedoch aus dem Gleichgewicht, kann das weitreichende Konsequenzen für Herz, Gefäße und Organe haben. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung sind entscheidend, um diese Balance zu erhalten – und damit Gesundheit und Lebensqualität zu schützen.
Der Lipidstoffwechsel: Ein harmonisches Zusammenspiel
Alles beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Mit unserer Nahrung nehmen wir Fette auf, die im Darm in ihre Bestandteile zerlegt werden. Diese gelangen über die Lymphbahn und später über das Blut in verschiedene Gewebe. Dort dienen sie entweder als Energielieferant, als Baustein für Zellmembranen, als Vorläufer von Hormonen oder als Energiespeicher in Form von Fettgewebe.
Ein zentraler Spieler ist dabei die Leber. Sie reguliert den Fettstoffwechsel, bildet Lipide neu (Lipogenese), baut sie ab (Lipolyse) oder wandelt sie in andere Stoffe um. Auch die Synthese und Ausscheidung von Cholesterin geschieht dort.
Cholesterin: Mehr als nur ein Risiko
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der für viele Prozesse im Körper unverzichtbar ist. Es wird teils mit der Nahrung aufgenommen, zum größeren Teil aber vom Körper selbst hergestellt. Cholesterin ist:
Bestandteil jeder Zellmembran
Ausgangsstoff für Gallensäuren, die bei der Fettverdauung helfen
Grundbaustein für viele Hormone wie Testosteron, Östrogen oder Kortisol
Wichtig für die Bildung von Vitamin D
Damit Cholesterin im Blut transportiert werden kann, wird es an sogenannte Lipoproteine gebunden. Die beiden wichtigsten sind:
LDL (Low Density Lipoprotein) – bringt Cholesterin zu den Zellen. Ein Zuviel kann sich jedoch in den Gefäßwänden ablagern.
HDL (High Density Lipoprotein) – sammelt überschüssiges Cholesterin ein und bringt es zur Leber zurück. Es gilt als „gutes Cholesterin“.
Wenn das Gleichgewicht kippt: Erkrankungen des Lipidstoffwechsels
Ist der Lipidstoffwechsel gestört, kann dies ernste gesundheitliche Folgen haben. Typische Erkrankungen sind:
Hypercholesterinämie: Ein zu hoher Cholesterinspiegel, meist durch zu viel LDL. Dies erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Arteriosklerose (Gefäßverkalkung): Cholesterin und andere Fette lagern sich in den Gefäßwänden ab, verengen diese und können zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien): Ungleichgewicht von HDL, LDL und Triglyzeriden im Blut, oft genetisch oder durch Lebensstil beeinflusst.
Fettleber: Übermäßige Ansammlung von Fetten in der Leber, oft Folge von Übergewicht, Diabetes oder Alkoholmissbrauch.
Pankreatitis: Eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die durch sehr hohe Triglyzeridwerte ausgelöst werden kann.
Detailinformationen:
1. Grundlagen des Lipidstoffwechsels
Der Lipidstoffwechsel umfasst die Aufnahme, Synthese, den Transport und Abbau von Fetten (Lipiden) im Körper. Zu den wichtigsten Lipiden gehören:
Triglyzeride – Hauptbestandteil von Körperfett und Energiequelle
Phospholipide – Bestandteil von Zellmembranen
Cholesterin – strukturelles Molekül, Vorläufer für Steroidhormone, Vitamin D und Gallensäuren
2. Cholesterin
Cholesterin wird zu etwa 70–80 % endogen (v. a. in der Leber) synthetisiert, der Rest stammt aus der Nahrung. Es ist Bestandteil von Lipoproteinen, die Cholesterin und Triglyzeride im Blut transportieren:
LDL (Low-Density Lipoprotein): transportiert Cholesterin zur Peripherie
→ Hohe LDL-Spiegel gelten als atherogen („schlechtes“ Cholesterin)
HDL (High-Density Lipoprotein): transportiert Cholesterin zur Leber zurück
→ HDL wird als protektiv angesehen („gutes“ Cholesterin)
3. Regulation des Cholesterinspiegels
Die wichtigste Regulation erfolgt über:
HMG-CoA-Reduktase: Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese (Zielstruktur von Statinen)
LDL-Rezeptoren: regulieren die LDL-Aufnahme in die Zellen
SREBP (Sterol Regulatory Element-Binding Proteins): Transkriptionsfaktoren, die Cholesterin-Homöostase steuern
4. Pathophysiologie: Dyslipidämie und Atherosklerose
Eine Dyslipidämie (v. a. erhöhte LDL-C-Spiegel, niedrige HDL-C, erhöhte Triglyzeride) ist ein zentraler Risikofaktor für:
Atherosklerose
Koronare Herzkrankheit (KHK)
Myokardinfarkt
Schlaganfall
Der Zusammenhang zwischen erhöhtem LDL-C und kardiovaskulärem Risiko ist durch große Studien (z. B. Framingham Heart Study, INTERHEART) eindeutig belegt.
5. Diagnostik
Wichtige Laborparameter:
Gesamtcholesterin
LDL-C (berechnet oder direkt gemessen)
HDL-C
Triglyzeride
Nicht-HDL-C (als alternativer Marker)
Richtwerte orientieren sich an kardiovaskulärem Gesamtrisiko (z. B. ESC/EAS-Leitlinien).
6. Therapieansätze
Lebensstilmodifikation:
Mediterrane Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion
Reduktion gesättigter Fette, Transfette und Zucker
Raucherentwöhnung
Pharmakotherapie (indikationsabhängig):
Statine: Hemmung der Cholesterinsynthese, primärer Therapieansatz
Ezetimib: Hemmung der intestinalen Cholesterinresorption
PCSK9-Inhibitoren: Erhöhung der LDL-Rezeptorzahl
Bempedoinsäure, Fibrate, Omega-3-Fettsäuren – ergänzende Optionen
7. Evidenz aus Studien
Statintherapie reduziert LDL-C und das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse signifikant (z. B. ASCOT, JUPITER, FOURIER).
LDL-Zielwert: je niedriger, desto besser. Studien zeigen linearen Zusammenhang zwischen LDL-C-Reduktion und Ereignisreduktion, ohne klaren unteren Schwellenwert.
8. Aktuelle Empfehlungen (z. B. ESC/EAS 2023)
Primärprävention: individuelle Risikoeinschätzung mittels SCORE2
Sekundärprävention (z. B. bei KHK): LDL-Ziel < 55 mg/dl (1,4 mmol/l), ggf. Kombinationstherapie
Hochrisikopatienten: aggressive Lipidsenkung empfohlen


