Gebärmutterhalskrebs (HPV-Zervixkarzinom)
- PatientInnenportal
- 11. Jan.
- 7 Min. Lesezeit

Gebärmutterhalskrebs, auch Zervixkarzinom genannt, ist eine bösartige Krebserkrankung, die sich aus Zellen des Gebärmutterhalses entwickelt. Der Gebärmutterhals ist der untere Teil der Gebärmutter und verbindet diese mit der Scheide. Die Erkrankung entsteht meist langsam über viele Jahre und gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen, wobei die Häufigkeit durch Vorsorgeuntersuchungen und Impfprogramme deutlich reduziert werden kann.
Die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist in den meisten Fällen auf eine langanhaltende Infektion mit dem Humanen Papillomvirus, kurz HPV, zurückzuführen. Diese Viren infizieren die Schleimhautzellen des Gebärmutterhalses und können dort Veränderungen im Erbgut der Zellen verursachen. Zunächst entstehen gutartige Zellveränderungen, sogenannte Dysplasien, aus denen sich mit der Zeit Krebsvorstufen entwickeln können. Bleiben diese unbehandelt, kann daraus schließlich ein invasiver Gebärmutterhalskrebs entstehen. Dieser Prozess verläuft meist über viele Jahre, was eine frühzeitige Erkennung besonders wichtig macht.
Das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, steigt vor allem bei einer Infektion mit sogenannten Hochrisiko-HPV-Typen. Weitere begünstigende Faktoren sind ein früher Beginn sexueller Aktivität, häufig wechselnde Sexualpartner, Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem sowie das Ausbleiben regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen. Rauchen wirkt sich besonders negativ aus, da es die lokale Immunabwehr im Bereich des Gebärmutterhalses schwächt und die Wirkung von HPV verstärken kann.
In frühen Stadien verursacht Gebärmutterhalskrebs häufig keine Beschwerden. Viele Betroffene merken daher lange Zeit nichts von der Erkrankung. Erst im weiteren Verlauf können Symptome auftreten, wie ungewöhnliche vaginale Blutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, Schmerzen im Unterbauch oder Beckenbereich sowie ein veränderter, teilweise übelriechender Ausfluss. In sehr fortgeschrittenen Stadien können auch Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten.
Diagnose
Die Diagnose von Gebärmutterhalskrebs erfolgt in der Regel im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Pap-Abstrich, bei dem Zellen vom Gebärmutterhals entnommen und mikroskopisch untersucht werden. Ergänzend kann ein HPV-Test durchgeführt werden, der Hochrisiko-Typen des Virus nachweist. Bei auffälligen Befunden folgt meist eine Kolposkopie, bei der der Gebärmutterhals mit einem speziellen Mikroskop genauer betrachtet wird. Zur endgültigen Sicherung der Diagnose wird eine Gewebeprobe entnommen und feingeweblich untersucht. Wenn Krebs festgestellt wird, kommen zusätzlich bildgebende Verfahren zum Einsatz, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen.
Behandlung
Die Behandlungsmöglichkeiten hängen stark vom Stadium der Erkrankung ab sowie vom Alter der Patientin und einem möglichen Kinderwunsch. In frühen Stadien oder bei Krebsvorstufen reicht häufig die Entfernung der veränderten Gewebeanteile aus, wodurch sehr gute Heilungschancen bestehen. Bei einem frühen invasiven Gebärmutterhalskrebs wird meist eine operative Entfernung der Gebärmutter durchgeführt, teilweise ergänzt durch die Entfernung umliegender Lymphknoten. In fortgeschrittenen Stadien ist häufig eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie notwendig. In bestimmten Fällen kommen auch moderne immunologische oder zielgerichtete Therapien zum Einsatz.

Konisation
Die Konisation ist ein gynäkologischer operativer Eingriff, bei dem ein kegelförmiges Gewebestück aus dem Gebärmutterhals entfernt wird. Ziel der Konisation ist es, krankhaft veränderte Zellen vollständig zu entfernen und gleichzeitig gesundes Gewebe möglichst zu schonen. Der Eingriff dient sowohl der Diagnose als auch der Behandlung von auffälligen Zellveränderungen am Gebärmutterhals.
Eine Konisation wird vor allem dann durchgeführt, wenn bei Vorsorgeuntersuchungen, etwa durch einen Pap-Abstrich, HPV-Test oder eine Kolposkopie, hochgradige Zellveränderungen festgestellt wurden. Diese Veränderungen gelten als Krebsvorstufen und können sich unbehandelt zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Durch die Entfernung des betroffenen Gewebes kann dieser Entwicklung in den meisten Fällen effektiv vorgebeugt werden.
Der Eingriff erfolgt meist unter kurzer Vollnarkose oder Regionalanästhesie und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Das entnommene Gewebe wird anschließend feingeweblich untersucht, um festzustellen, ob die Veränderungen vollständig entfernt wurden und ob bereits bösartige Zellen vorhanden sind. Damit ist die Konisation nicht nur therapeutisch, sondern auch diagnostisch sehr wichtig.
Es gibt verschiedene Techniken der Konisation. Am häufigsten wird heute die sogenannte Schlingen-Konisation (LEEP oder LLETZ) angewendet, bei der das Gewebe mithilfe einer feinen elektrischen Drahtschlinge entfernt wird. Alternativ kann die Konisation mit einem Skalpell oder einem Laser durchgeführt werden. Die Wahl der Methode hängt von der Art und Ausdehnung der Zellveränderungen sowie von individuellen Faktoren der Patientin ab.
Nach der Konisation kommt es meist zu leichten Blutungen oder einem bräunlichen Ausfluss, was normal ist und einige Tage bis Wochen anhalten kann. In dieser Zeit wird empfohlen, auf Geschlechtsverkehr, Tampons und Vollbäder zu verzichten, um die Heilung nicht zu beeinträchtigen. Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um sicherzustellen, dass keine erneuten Zellveränderungen auftreten.
In Bezug auf die Fruchtbarkeit gilt die Konisation insgesamt als schonender Eingriff. In den meisten Fällen bleibt die Möglichkeit, schwanger zu werden, erhalten. Bei sehr großen oder wiederholten Konisationen kann das Risiko für Frühgeburten leicht erhöht sein, weshalb bei späteren Schwangerschaften eine engmaschige ärztliche Betreuung erfolgt.
Die Konisation ist ein sehr effektiver und bewährter Eingriff, mit dem Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses frühzeitig behandelt werden können. Sie trägt wesentlich dazu bei, die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs zu verhindern und hat bei rechtzeitiger Durchführung eine sehr hohe Heilungsrate.
Das HPV Virus
Das Humane Papillomvirus ist eine sehr weit verbreitete Virusgruppe mit über 200 bekannten Typen. Die Übertragung erfolgt meist durch sexuellen Kontakt. Viele HPV-Infektionen verlaufen unbemerkt und heilen innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst aus, da das Immunsystem das Virus eliminiert. Problematisch sind vor allem dauerhafte Infektionen mit Hochrisiko-Typen, da diese langfristig Zellveränderungen und Krebs auslösen können. Neben Gebärmutterhalskrebs kann HPV auch andere Krebsarten im Genital- und Rachenbereich verursachen.
HPV-Impfung
Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist die HPV-Impfung. Sie schützt vor den häufigsten krebsauslösenden HPV-Typen und wird besonders vor dem ersten sexuellen Kontakt empfohlen, ist aber auch für junge Erwachsene sinnvoll. Die Impfung kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich senken, ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. Ergänzend tragen Safer-Sex-Maßnahmen und ein gesunder Lebensstil, insbesondere der Verzicht auf Rauchen, zur Prävention bei.
Dank moderner Vorsorge, frühzeitiger Diagnose und wirksamer Therapien sind die Heilungschancen bei Gebärmutterhalskrebs heute sehr gut, insbesondere wenn die Erkrankung früh erkannt wird. In frühen Stadien liegt die Überlebensrate bei über 90 Prozent.
HPV-Virusgruppen
Die häufigsten HPV-Virusgruppen werden in Niedrigrisiko-Typen und Hochrisiko-Typen eingeteilt, je nachdem, ob sie Krebs auslösen können oder nicht.
Zu den Niedrigrisiko-HPV-Typen gehören vor allem HPV 6 und HPV 11. Diese Virusgruppen sind sehr verbreitet und verursachen in der Regel gutartige Veränderungen wie Genitalwarzen (Feigwarzen). Sie führen nicht zu Krebs, können jedoch unangenehme und wiederkehrende Beschwerden verursachen.
Die Hochrisiko-HPV-Typen sind medizinisch besonders bedeutsam, da sie Krebs verursachen können. Am häufigsten sind hier HPV 16 und HPV 18, die zusammen für etwa 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Weitere wichtige Hochrisiko-Typen sind HPV 31, 33, 35, 45, 52 und 58. Diese Viren können bei einer langanhaltenden Infektion Zellveränderungen hervorrufen, aus denen sich Krebsvorstufen und später Krebs entwickeln kann.
Insgesamt sind über 200 verschiedene HPV-Typen bekannt, von denen etwa 40 den Genitalbereich infizieren. Die meisten Infektionen verlaufen harmlos und heilen von selbst aus. Problematisch wird es vor allem dann, wenn eine Infektion mit Hochrisiko-HPV über Jahre bestehen bleibt.
HPV-Infektionen gelten überwiegend als sexuell übertragbar, sind aber nicht ausschließlich auf klassischen Geschlechtsverkehr beschränkt. Der wichtigste Übertragungsweg ist der direkte Haut- und Schleimhautkontakt im Intimbereich, insbesondere bei vaginalem, analem oder oralem Sex. Dabei reicht oft schon enger Kontakt der Haut oder Schleimhaut aus, da das Virus nicht über Körperflüssigkeiten, sondern über direkten Kontakt übertragen wird.
Neben dem klassischen Geschlechtsverkehr kann HPV auch durch intimen Hautkontakt ohne Penetration weitergegeben werden, zum Beispiel durch Petting oder den Kontakt mit infizierten Hautarealen im Genital- oder Analbereich. Auch oraler Kontakt kann zur Übertragung führen und Infektionen im Mund- und Rachenraum verursachen. Kondome senken das Risiko deutlich, können eine Ansteckung jedoch nicht vollständig verhindern, da sie nicht alle betroffenen Hautbereiche abdecken.
In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Geburt kommen. Dies kann beim Neugeborenen zu gutartigen Veränderungen der Atemwege führen, ist jedoch insgesamt selten. Eine Übertragung über Alltagsgegenstände wie Toiletten, Handtücher oder Schwimmbäder gilt nach aktuellem medizinischem Wissen als sehr unwahrscheinlich und spielt praktisch keine Rolle.

Österreichische Quellen
1. Österreichisches Gesundheitsportal – Gebärmutterhalskrebs
Das offizielle Gesundheitsportal der Republik Österreich bietet evidenzbasierte Informationen zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, zur Bedeutung des PAP-Tests und HPV-Tests und zum diagnostischen Vorgehen. Es erklärt die Bedeutung der Zellveränderungen und der HPV-Infektion als Risikofaktor. Gesundheitsportal
2. Gesundheitsportal – HPV (Humane Papillomaviren)
Auf dem Gesundheitsportal werden HPV-Typen und die HPV-Impfung beschrieben, einschließlich der impfpräventiven Wirksamkeit gegen Hochrisiko-HPV-Typen und der Empfehlung zur Impfung auch für Jungen und Mädchen. Gesundheitsportal
3. Österreichisches Gesundheitsministerium – Krebsvorsorge bei Gebärmutterhalskrebs
Die Seite des Bundesministeriums für Gesundheit erläutert das Screening mittels PAP-Abstrich, wie Zellveränderungen erkannt und beurteilt werden und wie diese langfristig die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verhindern helfen. BMASGK
4. Österreichische Vorsorgeuntersuchungsempfehlungen
Vom Gesundheitsportal wird beschrieben, wie die jährliche Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren in Österreich organisiert ist und dass darin auch die gynäkologische Vorsorge mit Zellabstrich enthalten ist. Gesundheitsportal
5. Österreichischer Leitfaden zur Früherkennung – Pap-Abstrich / Zytologie
Auch auf dem Gesundheitsportal findet sich eine detaillierte, evidenzbasierte Darstellung des Pap-Abstrichs als Standardverfahren zur Früherkennung. Die Informationen basieren auf Labor- und klinischen Daten zur Wirksamkeit des Screeningtests. Gesundheitsportal
6. Fachpublikation zum Zervixkarzinom-Screening
In einer österreichbezogenen Publikation zum Zervixkarzinom Screening (z.B. aus dem GÖG/Open Access Repository) wird dargestellt, wie Screening-Strategien und epidemiologische Daten gemeinsam evidenzbasiert zur Prävention eingesetzt werden. Jasmin
7. Analyse zur HPV-Test-Integration in Österreich
Ein Report zur Implementierung von HPV-Tests in das bestehende österreichische Screening-System fasst internationale Evidenz zur Wirksamkeit von HPV-Tests zusammen und bewertet deren mögliche Rolle im nationalen Screening. aihta.at
8. Studien zur HPV-Impfung nach Konisation
Aus dem österreichischen Gesundheitswesen stammende Studien zeigen, dass HPV-Impfung vor oder nach Konisation das Risiko erneuter Zellveränderungen deutlich reduzieren kann – ein konkreter, klinisch evidenzbasierter Befund aus aktuellen Analysen.
Internationale Gesundheitsbehörden:
World Health Organization (WHO) – HPV und Gebärmutterhalskrebs
Die WHO beschreibt HPV als notwendige Ursache für nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs und legt globale Strategien zu Impfung, Screening und Behandlung dar. Sie stellt klar, dass persistierende Hochrisiko-HPV-Infektionen der zentrale Krankheitsmechanismus sind.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC) – HPV Grundlagen & Impfung
Die CDC liefert evidenzbasierte Daten zur Übertragung, Epidemiologie, Krankheitslast und Wirksamkeit der HPV-Impfstoffe. Die Quelle belegt, dass HPV primär durch intimen Haut- und Schleimhautkontakt übertragen wird und dass Impfstoffe hochwirksam und sicher sind.
Cochrane Review – Wirksamkeit der HPV-Impfung
Dieser systematische Review gilt als Goldstandard der evidenzbasierten Medizin. Er zeigt, dass HPV-Impfstoffe das Auftreten von HPV-bedingten Krebsvorstufen signifikant reduzieren und keine schwerwiegenden Sicherheitsrisiken aufweisen.
The Lancet / PubMed Central – Langzeitdaten zur Krebsprävention
Große populationsbasierte Studien zeigen eine deutliche Reduktion von Gebärmutterhalskrebs in Ländern mit hohen HPV-Impfraten. Die Daten bestätigen erstmals einen direkten Rückgang invasiver Krebserkrankungen durch die Impfung.
AWMF S3-Leitlinie – Prävention des Zervixkarzinoms (Deutschland)
Diese evidenzbasierte medizinische Leitlinie fasst den aktuellen wissenschaftlichen Konsens zu Screening, HPV-Testung, Impfung und Prävention zusammen. Sie dient als Grundlage für ärztliche Empfehlungen in Deutschland.
Leitlinienprogramm Onkologie – Patientenleitlinie Gebärmutterhalskrebs
Diese Quelle übersetzt die wissenschaftlichen Leitlinien in verständliche Sprache für Patientinnen und Angehörige und basiert vollständig auf evidenzbasierter Medizin.