Hepatitis – Formen, Symptome, Diagnose und moderne Behandlungsmöglichkeiten
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Hepatitis ist keine einzelne Erkrankung, sondern umfasst verschiedene Ursachen und Virusformen mit sehr unterschiedlichen Verläufen. Während Hepatitis A und E meist vollständig ausheilen, können Hepatitis B und C chronisch werden und schwere Leberschäden verursachen.
Dank moderner Diagnostik, wirksamer Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie hochwirksamer antiviraler Medikamente – insbesondere gegen Hepatitis C – haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose, regelmäßige Kontrollen und eine individuell angepasste Therapie.
Weltweit gehören virale Hepatitiden zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt das Ziel, Hepatitis B und C bis 2030 als Gesundheitsproblem weitgehend zu eliminieren. (Weltgesundheitsorganisation)
Was ist Hepatitis?
Unter Hepatitis versteht man eine Entzündung des Lebergewebes.
Sie kann durch Viren, Alkohol, Medikamente, Giftstoffe oder Autoimmunerkrankungen verursacht werden, sie kann akut auftreten und vollständig ausheilen oder chronisch verlaufen und über Jahre unbemerkt bleiben.
Die Leber erfüllt lebenswichtige Aufgaben: Sie entgiftet den Körper, speichert Nährstoffe, produziert Eiweiße und bildet Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung. Wird die Leber dauerhaft geschädigt, kann dies zu einer Leberzirrhose, Leberversagen oder Leberkrebs führen.
Besonders chronische Hepatitis B und C verursachen häufig zunächst keine Beschwerden, können jedoch langfristig zu schweren Leberschäden führen.
Die verschiedenen Hepatitis-Formen
Hepatitis A (HAV)
Hepatitis A wird über verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser sowie durch Schmierinfektionen übertragen. Besonders Reisen in Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen erhöhen das Infektionsrisiko.
Die Erkrankung verläuft ausschließlich akut und heilt in den meisten Fällen vollständig aus. Eine chronische Hepatitis A gibt es nicht. Gegen Hepatitis A steht eine sehr wirksame Schutzimpfung zur Verfügung.
Hepatitis B (HBV)
Hepatitis B wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Häufige Übertragungswege sind ungeschützter Geschlechtsverkehr, gemeinsam benutzte Spritzen, medizinische Eingriffe unter unzureichenden Hygienebedingungen oder die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Geburt.
Während Erwachsene die Infektion häufig ausheilen, entwickelt sich insbesondere bei einer Infektion im Säuglingsalter häufig eine chronische Erkrankung. Chronische Hepatitis B kann zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen.
Eine hochwirksame Impfung schützt zuverlässig vor Hepatitis B.
Hepatitis C (HCV)
Hepatitis C wird überwiegend über Blut übertragen. Das Risiko besteht beispielsweise beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen oder bei nicht ausreichend sterilisierten Instrumenten.
Eine Schutzimpfung existiert bislang nicht. Moderne direkt antiviral wirkende Medikamente können jedoch heute bei den meisten Patientinnen und Patienten innerhalb weniger Wochen eine vollständige Heilung erreichen.
Hepatitis D (HDV)
Das Hepatitis-D-Virus kann sich ausschließlich bei Menschen vermehren, die bereits mit Hepatitis B infiziert sind. Die Doppelinfektion führt häufig zu schwereren Krankheitsverläufen und erhöht das Risiko einer Leberzirrhose.
Da Hepatitis D auf Hepatitis B angewiesen ist, schützt die Hepatitis-B-Impfung gleichzeitig vor Hepatitis D.
Hepatitis E (HEV)
Hepatitis E wird meist über verunreinigtes Wasser oder unzureichend gegartes Schweine- oder Wildfleisch übertragen.
Bei gesunden Menschen heilt die Erkrankung meist folgenlos aus. Für Schwangere sowie immungeschwächte Personen kann sie jedoch schwer verlaufen.
Weitere Formen der Hepatitis
Neben den Virushepatitiden gibt es weitere wichtige Ursachen:
• Alkoholbedingte Hepatitis
• Medikamentenbedingte Hepatitis
• Toxische Hepatitis durch Chemikalien oder Pilzgifte
• Autoimmunhepatitis
• Stoffwechselbedingte Lebererkrankungen (z.B. Morbus Wilson oder Hämochromatose)
Diese Erkrankungen erfordern jeweils eine spezifische Diagnostik und Therapie.
Symptome
Viele Menschen bemerken zunächst keine Beschwerden. Gerade chronische Hepatitis B und C bleiben häufig jahrelang unerkannt.
Mögliche Symptome sind:
• starke Müdigkeit und Leistungsminderung
• Appetitlosigkeit
• Übelkeit
• Druck- oder Schmerzgefühl im rechten Oberbauch
• Fieber
• Gelenk- und Muskelschmerzen
• dunkler Urin
• heller Stuhl
• Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen)
• Juckreiz
Bei chronischen Verläufen können zusätzlich Gewichtsverlust, Wassereinlagerungen, Blutungsneigung oder Zeichen einer Leberzirrhose auftreten.
Diagnose
Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung.
Anschließend erfolgen Blutuntersuchungen:
• Leberwerte (ALT, AST, GGT, AP)
• Bilirubin
• Gerinnungswerte
• Virus-spezifische Antikörper
• Virusnachweis mittels PCR
• Viruslastbestimmung
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Zur Beurteilung der Leber werden zusätzlich eingesetzt:
• Ultraschall
• Elastographie (FibroScan) zur Bestimmung einer Leberfibrose
• CT oder MRT bei speziellen Fragestellungen
• Leberbiopsie in ausgewählten Fällen
Moderne molekulare Verfahren ermöglichen eine sehr genaue Diagnostik und Therapiekontrolle.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hepatitis.
Hepatitis A
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung besteht aus körperlicher Schonung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr sowie dem Verzicht auf Alkohol und leberschädigende Medikamente. Die Erkrankung heilt meist vollständig aus.
Hepatitis B
Nicht jede akute Hepatitis B muss behandelt werden. Bei chronischen Verläufen kommen antivirale Medikamente wie Nukleosid- bzw. Nukleotidanaloga zum Einsatz. Ziel ist die dauerhafte Unterdrückung der Virusvermehrung und der Schutz vor Leberzirrhose und Leberkrebs.
Hepatitis C
Die Behandlung der Hepatitis C hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Direkt antiviral wirkende Medikamente (DAA) ermöglichen heute Heilungsraten von über 95 Prozent innerhalb von meist 8 bis 12 Wochen.
Hepatitis D
Zur Behandlung stehen mittlerweile gezielte Therapien für ausgewählte Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Die Therapie erfolgt ausschließlich in spezialisierten hepatologischen Zentren.
Hepatitis E
Meist genügt eine unterstützende Behandlung. Bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten kann in Einzelfällen eine antivirale Therapie erforderlich sein.
Mögliche Komplikationen
Unbehandelte chronische Hepatitis kann schwerwiegende Folgen haben:
• Leberfibrose
• Leberzirrhose
• Leberversagen
• Pfortaderhochdruck
• Bauchwassersucht (Aszites)
• hepatische Enzephalopathie
• Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom)
Patientinnen und Patienten mit chronischer Hepatitis benötigen daher regelmäßige Kontrolluntersuchungen.
Vorbeugung
Der beste Schutz besteht in einer Kombination aus Impfung und hygienischen Maßnahmen.
Empfohlen werden:
• Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Impfung entsprechend den Impfempfehlungen
• Safer Sex
• keine gemeinsamen Spritzen oder Nadeln verwenden
• sterile Instrumente bei Tätowierungen und Piercings
• gute Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene auf Reisen
• regelmäßige Testung bei Risikogruppen
Eine Impfung gegen Hepatitis C gibt es derzeit nicht.
Quellen
• Weltgesundheitsorganisation (WHO): Hepatitis-Leitlinien
• Österreichisches Gesundheitsportal – Hepatitis
• Österreichisches Gesundheitsportal – Hepatitis A
• Robert Koch-Institut – Hepatitis A
Ansprechstellen in Österreich
Bei Verdacht auf eine Hepatitis oder bei bereits bekannter Erkrankung können sich Betroffene an folgende Stellen wenden:
• Hausärztin oder Hausarzt
• Primärversorgungseinheiten (PVE)
• Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie
• Fachärztinnen und Fachärzte für Infektiologie
• Hepatologische Ambulanzen an Krankenhäusern
• Universitätskliniken mit Leberzentren
• Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): AGES
• Österreichisches Gesundheitsportal: Gesundheit.gv.at – Hepatitis
• Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH): ÖGGH


