Nierenzellkarzinom
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Das Nierenzellkarzinom (NZK) ist die häufigste Form von Nierenkrebs bei Erwachsenen. Etwa 9 von 10 Nierentumoren gehören zu dieser Gruppe. In den letzten Jahren hat sich die Behandlung deutlich verbessert. Vor allem neue Medikamente und Immuntherapien haben dazu beigetragen.
Wer bekommt diese Krankheit?
Das Nierenzellkarzinom tritt meist bei Menschen zwischen 60 und 70 Jahren auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko. Dazu gehören Rauchen, starkes Übergewicht und Bluthochdruck. Auch eine lange bestehende Nierenerkrankung kann das Risiko erhöhen. Manche Menschen haben eine erbliche Veranlagung, zum Beispiel beim von-Hippel-Lindau-Syndrom.
Was passiert im Körper?
Das Nierenzellkarzinom besteht aus verschiedenen Unterformen. Die häufigste Form ist das klarzellige Karzinom. Daneben gibt es noch andere, seltenere Typen.
Bei vielen Betroffenen liegt eine Veränderung im sogenannten VHL-Gen vor. Diese Veränderung führt dazu, dass Tumorzellen besser wachsen und neue Blutgefäße bilden. Auf dieser Erkenntnis basieren viele moderne Medikamente.
Detailinformation:
Pathophysiologie und Subtypen
Das NZK ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst verschiedene histologische Subtypen:
Klarzelliges Nierenzellkarzinom (ca. 70–80 %)
Papilläres Nierenzellkarzinom
Chromophobes Nierenzellkarzinom
Das klarzellige NZK ist häufig mit Mutationen im VHL-Gen assoziiert, was zu einer Aktivierung von Hypoxie-induzierten Signalwegen führt. Diese Erkenntnis war zentral für die Entwicklung zielgerichteter Therapien.
Welche Beschwerden gibt es?
Früher wurde die Krankheit oft erst spät erkannt. Typisch waren Schmerzen in der Flanke, Blut im Urin und ein tastbarer Tumor. Heute wird der Krebs oft zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung.
Manche Menschen haben unspezifische Beschwerden wie Gewichtsverlust oder Fieber. Diese Symptome können auch andere Ursachen haben.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die wichtigste Rolle spielen bildgebende Verfahren. Meist beginnt die Untersuchung mit Ultraschall. Danach folgt oft eine Computertomographie, um den Tumor genau zu beurteilen. Wenn kein Kontrastmittel verwendet werden kann, wird eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.
Eine Gewebeprobe ist nicht immer nötig, kann aber in manchen Fällen helfen.
Wie wird die Krankheit eingeteilt?
Ärztinnen und Ärzte verwenden das sogenannte TNM-System. Damit wird beschrieben, wie groß der Tumor ist und ob er sich ausgebreitet hat. Davon hängt auch die Prognose ab.
Wenn der Tumor nur in der Niere ist, sind die Heilungschancen meist gut. Wenn bereits Metastasen vorliegen, ist die Erkrankung schwerer zu behandeln, kann aber oft über längere Zeit kontrolliert werden.
Wie wird das Nierenzellkarzinom behandelt?
Die wichtigste Behandlung ist die Operation. Dabei wird der Tumor entfernt. Wenn möglich, wird nur ein Teil der Niere entfernt. So bleibt die Nierenfunktion besser erhalten. Bei größeren Tumoren muss manchmal die ganze Niere entfernt werden.
Wenn die Krankheit fortgeschritten ist, kommen Medikamente zum Einsatz. Es gibt sogenannte zielgerichtete Therapien. Diese greifen gezielt in das Tumorwachstum ein. Auch Immuntherapien werden zur Behandlung eingesetzt. Diese aktivieren das eigene Immunsystem, damit es den Krebs bekämpft.
Detailinformation:
1. Chirurgische Therapie
Die Operation ist die wichtigste kurative Maßnahme:
Partielle Nephrektomie (nephronerhaltend) bei kleinen Tumoren
Radikale Nephrektomie bei größeren oder komplexen Tumoren
Randomisierte Studien zeigen, dass die partielle Nephrektomie vergleichbare onkologische Ergebnisse bei besserer Nierenfunktion bietet.
2. Systemische Therapie
Bei fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz:
a) Zielgerichtete Therapien
Tyrosinkinase-Inhibitoren (z. B. VEGF-Inhibition)
mTOR-Inhibitoren
Diese basieren auf der molekularen Pathogenese des Tumors.
b) Immuntherapie
Ein Meilenstein der letzten Jahre ist die Einführung von Checkpoint-Inhibitoren:
PD-1/PD-L1-Inhibitoren
Kombinationen mit CTLA-4-Inhibitoren
Große Phase-III-Studien zeigen eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens gegenüber älteren Therapien.
3. Kombinationstherapien
Aktuelle Leitlinien empfehlen häufig Kombinationen aus:
Immuntherapie + Tyrosinkinase-Inhibitor
Duale Immuntherapie
Diese Ansätze zeigen die besten Ergebnisse in Bezug auf Überleben und Ansprechraten.
Wie sind die Heilungschancen?
Wenn der Krebs früh entdeckt wird, sind die Heilungschancen sehr gut. Mehr als 90 von 100 Betroffenen leben nach fünf Jahren noch. Hat sich der Krebs bereits ausgebreitet, ist die Prognose schlechter. Neue Therapien haben die Überlebenschancen aber deutlich verbessert.
Kann man vorbeugen?
Es gibt kein allgemeines Screening für diese Krankheit. Trotzdem kann man das Risiko senken. Wichtig ist, nicht zu rauchen, ein gesundes Gewicht zu halten und den Blutdruck gut einzustellen.
Menschen mit erblichen Risiken sollten regelmäßig untersucht werden.
Quellen (Auswahl)


