Lymphome
- PatientInnenportal

- 28. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Ein Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Da die Symptome anfangs oft unspezifisch sind, wird die Diagnose meist erst nach mehreren Untersuchungsschritten gestellt.
Am Anfang stehen meist Auffälligkeiten, die der Patient selbst bemerkt oder die beim Arztbesuch auffallen. Typisch ist eine schmerzlose Schwellung eines oder mehrerer Lymphknoten, häufig am Hals, in der Achsel oder in der Leiste.
Begleitend können sogenannte B-Symptome auftreten: wiederkehrendes Fieber ohne erkennbare Ursache, starkes nächtliches Schwitzen und ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten. Viele Betroffene fühlen sich außerdem müde, abgeschlagen oder leiden unter Juckreiz. Wenn das Lymphom außerhalb der Lymphknoten wächst, können auch Beschwerden in den betroffenen Organen auftreten – zum Beispiel Husten oder Atemnot bei Befall des Brustraums, oder Bauchschmerzen und Völlegefühl, wenn Milz oder Leber vergrößert sind.
Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt die Lymphknoten systematisch ab und prüft, ob sie vergrößert, verschieblich oder verhärtet sind. Auch die Leber und Milz werden kontrolliert, da sie häufig mitbetroffen sein können.
Im nächsten Schritt folgt eine Blutuntersuchung. Zwar lässt sich ein Lymphom im Blut meist nicht direkt nachweisen, doch bestimmte Werte können Hinweise geben. Eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit oder ein erhöhter LDH-Wert deuten auf eine hohe Zellaktivität hin. Außerdem können Veränderungen der Blutzellen – zum Beispiel eine Blutarmut oder eine verringerte Zahl an weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen – auf einen Befall des Knochenmarks hinweisen.
Die sicherste Methode zur Diagnose ist die Entnahme eines Lymphknotens, also eine sogenannte Biopsie. Der entnommene Lymphknoten wird im Labor mikroskopisch untersucht. Dabei kann der Pathologe erkennen, ob bösartige Lymphzellen vorhanden sind, und den genauen Typ des Lymphoms bestimmen. Das Vorhandensein von sogenannten Reed-Sternberg-Zellen weist eindeutig auf ein Hodgkin-Lymphom hin; fehlen diese, handelt es sich um ein Non-Hodgkin-Lymphom.
Sobald die Diagnose gesichert ist, wird geprüft, wie weit sich die Krankheit im Körper ausgebreitet hat. Dafür werden bildgebende Verfahren eingesetzt, meist CT- oder PET-CT-Untersuchungen. Sie zeigen, welche Lymphknoten vergrößert sind und ob Organe außerhalb des Lymphsystems befallen sind. Eine Ultraschalluntersuchung hilft zusätzlich, Leber und Milz zu beurteilen. In manchen Fällen wird auch eine Knochenmarkpunktion durchgeführt, um zu sehen, ob die Krankheit dort bereits Zellen befallen hat.
Anhand dieser Ergebnisse wird schließlich das Krankheitsstadium bestimmt. Die Einteilung erfolgt nach der sogenannten Ann-Arbor-Klassifikation:
Im Stadium I ist nur eine Lymphknotenregion betroffen.
Im Stadium II sind mehrere Regionen auf einer Seite des Zwerchfells befallen.
Im Stadium III liegen befallene Lymphknoten oberhalb und unterhalb des Zwerchfells.
Im Stadium IV hat sich die Krankheit bereits auf andere Organe wie Leber, Lunge oder Knochenmark ausgebreitet.
Außerdem wird angegeben, ob B-Symptome vorhanden sind (dann spricht man von Stadium „B“) oder nicht („A“).
Arten von Lymphomen
Hodgkin-Lymphom (HL) und Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
Beide Erkrankungen gehören zur Gruppe der Lymphome, also bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Milz, Thymus, Knochenmark, Lymphgefäße). Sie entstehen durch entartete Lymphozyten (meist B-Zellen, seltener T-Zellen).
1. Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)
Definition:
Das Hodgkin-Lymphom ist eine maligne Erkrankung der B-Lymphozyten, die durch das Auftreten charakteristischer Reed-Sternberg-Zellen (mehrkernige Riesenzellen) im Lymphknoten gekennzeichnet ist.
Typische Merkmale:
Befallsmuster: Meist kontinuierliche Ausbreitung von einem Lymphknoten zum nächsten entlang der Lymphbahnen.
Alter: Häufig zwischen 20–40 Jahren (junge Erwachsene).
Symptome:
Schmerzlose Lymphknotenschwellung (meist Hals oder Schlüsselbeinregion)
B-Symptome: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust (>10 % in 6 Monaten)
Juckreiz, Müdigkeit
Schmerzen in Lymphknoten nach Alkoholkonsum (typisch, aber selten)
Diagnose:
Lymphknotenbiopsie → Nachweis der Reed-Sternberg-Zellen
Staging mittels CT, PET-CT, Knochenmarkuntersuchung
Therapie:
Kombination aus Chemotherapie (z. B. ABVD-Schema) und ggf. Bestrahlung
Heilungsraten: >80–90 %, besonders bei früher Diagnose
2. Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
Definition:
Unter dem Begriff Non-Hodgkin-Lymphome fasst man alle malignen Lymphome zusammen, die keine Reed-Sternberg-Zellen enthalten. Es handelt sich also um eine heterogene Gruppe von über 30 Unterarten.
Typische Merkmale:
Ursprung: B-Zell- oder T-Zell-Lymphome
Befallsmuster: Oft sprunghafte Ausbreitung, nicht streng entlang der Lymphbahnen
Alter: Vor allem ältere Erwachsene, aber alle Altersgruppen möglich
Symptome:
Schmerzlose Lymphknotenschwellungen
B-Symptome (wie bei HL)
Bei extranodalem Befall: Symptome je nach Organ (z. B. Magen, Darm, Haut, Gehirn)
Einteilung:
Indolente (niedrigmaligne) NHL: Langsam wachsend, z. B. follikuläres Lymphom
Aggressive (hochmaligne) NHL: Rasch wachsend, z. B. diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)
Therapie:
Chemotherapie (z. B. CHOP-Schema), oft kombiniert mit Antikörpertherapie (Rituximab)
Bestrahlung oder Stammzelltransplantation je nach Stadium und Typ
Heilungschancen variieren:
Aggressive Formen → oft heilbar
Indolente Formen → meist chronisch, aber kontrollierbar
Übersichtstabelle:
Unterschiede zwischen Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphom
Merkmal | Hodgkin-Lymphom | Non-Hodgkin-Lymphom |
Zelltyp | B-Zellen mit Reed-Sternberg-Zellen | B- oder T-Zellen, keine Reed-Sternberg-Zellen |
Ausbreitung | Kontinuierlich entlang der Lymphbahnen | Sprunghaft, oft extranodal |
Alter | Häufig junge Erwachsene | Meist ältere Menschen |
Verlauf | Meist gut behandelbar, hohe Heilungsrate | Je nach Typ: indolent oder aggressiv |
Typische Lokalisation | Hals-, Mediastinal-, Lymphknoten | Lymphknoten, aber auch extranodal (z. B. Magen, Haut, Gehirn) |
Therapieansprechen | Sehr gut | Variabel |
Reed-Sternberg-Zellen | Vorhanden | Fehlen |
Heilungschancen
die Heilungschancen bei Lymphomen hängen stark von der Art des Lymphoms, dem Krankheitsstadium und der allgemeinen Gesundheit des Patienten ab.
Lymphome gehören heute zu den am besten behandelbaren Krebserkrankungen. Dank moderner Chemotherapie, Antikörpertherapie und Bestrahlung können viele Patienten vollständig geheilt oder über viele Jahre beschwerdefrei gehalten werden.
1. Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)
Das Hodgkin-Lymphom hat sehr gute Heilungschancen – deutlich besser als die meisten anderen Krebsarten.
🔹 Prognose:
Frühe Stadien (I–II): Über 90 % der Patienten können dauerhaft geheilt werden.
Fortgeschrittene Stadien (III–IV): Immer noch etwa 80 % Heilungsrate.
🔹 Gründe für die gute Prognose:
Die Krankheit reagiert sehr empfindlich auf Chemotherapie und Bestrahlung.
Patienten sind oft jünger und körperlich belastbarer.
Eine genaue Stadieneinteilung und individuell angepasste Therapien verbessern das Ergebnis weiter.
🔹 Langzeitfolgen:
Nach erfolgreicher Behandlung können Spätfolgen durch die Therapie auftreten (z. B. Herz- oder Schilddrüsenschäden), aber viele Betroffene leben langfristig ohne Rückfall.
2. Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
Die Non-Hodgkin-Lymphome sind sehr unterschiedlich. Die Heilungschancen hängen davon ab, wie aggressiv oder langsam die Erkrankung wächst.
🔸 Aggressive (hochmaligne) Lymphome:
Beispiele:
Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)
Burkitt-Lymphom
Diese wachsen schnell, reagieren aber gut auf Therapie.Mit moderner Chemotherapie (z. B. CHOP + Rituximab) können 60–80 % der Patienten geheilt werden.
🔸 Indolente (niedrigmaligne) Lymphome:
Beispiele:
Follikuläres Lymphom
Marginalzonenlymphom
Diese Formen wachsen langsam, lassen sich gut kontrollieren, aber nicht dauerhaft heilen.Die Erkrankung verläuft über viele Jahre, oft in Schüben, und wird behandelt, wenn Symptome auftreten.Patienten können jedoch ein langes, weitgehend normales Leben führen.
Übersichtstabelle:
Lymphomart | Heilungschance | Verlauf |
Hodgkin-Lymphom | Sehr gut – 80–90 % heilbar | Oft komplette Heilung möglich |
Aggressive Non-Hodgkin-Lymphome | Mittel bis gut – 60–80 % heilbar | Rasch, aber therapieempfindlich |
Indolente Non-Hodgkin-Lymphome | Meist nicht heilbar, aber gut kontrollierbar | Langsamer Verlauf über viele Jahre |
Kurz zusammengefasst:
Ein Hodgkin-Lymphom kann heute in den meisten Fällen dauerhaft geheilt werden. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen hängt die Heilung davon ab, ob es sich um eine aggressive oder langsam verlaufende Form handelt – viele Patienten leben jedoch auch mit einem chronischen Lymphom lange und gut.
Wichtige Leitlinien / Praxisempfehlungen
ESMO Clinical Practice Guideline: Lymphomas
– Umfasst Epidemiologie, Diagnostik, Stadieneinteilung, Risikobewertung, Therapie von neu diagnostizierten und refraktären Fällen, Nachsorge. esmo.org
– Die korrespondierende Publikation in Annals of Oncology bietet ebenfalls detaillierte Empfehlungen. annalsofoncology.org
NCCN Guidelines – B-Cell Lymphomas
– US-Leitlinie mit evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnose, Therapie und Verlaufskontrolle bei B-Zell-Lymphomen. nccn.org
NCCN Guidelines – Hodgkin Lymphoma
– Spezifika bei Hodgkin-Lymphom: Therapieoptionen, Rezidivmanagement etc. nccn.org
EHA Clinical Practice Guidelines: Large B-Cell Lymphoma (LBCL)
– Europäische Leitlinie mit evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie, Supportivmaßnahmen und Nachsorge. PMC
CAP / ASCP: Laboratory Workup of Lymphoma in Adults
– Eine evidenzbasierte, mit methodischer Transparenz erarbeitete Leitlinie zur pathologischen und molekularen Diagnostik von Lymphomen. College of American Pathologists


