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Gliom – Glioblastom


Ein Gliom ist ein Tumor, der aus bestimmten Stützzellen des Gehirns entsteht, den sogenannten Gliazellen. Diese Zellen sorgen im gesunden Gehirn dafür, dass Nervenzellen geschützt, ernährt und stabil gehalten werden. Wenn sich Gliazellen unkontrolliert teilen, kann daraus ein Gliom entstehen. Manche Gliome wachsen langsam und bleiben lange relativ stabil, andere teilen sich schneller und dringen stärker in gesundes Gewebe ein. Weil sie sich im Gehirn entwickeln, können selbst langsam wachsende Gliome wichtige Funktionen stören, je nachdem, an welcher Stelle sie liegen.


Ein Glioblastom ist die aggressivste Form der Gliome. Es wächst sehr schnell, breitet sich häufig in das umgebende Hirngewebe aus und bildet keine klaren Grenzen. Das macht es schwierig, den Tumor vollständig zu entfernen. Glioblastome sind meist mit neuen Blutgefäßen durchzogen, weil der Tumor viel Energie und Sauerstoff benötigt, um sich weiter zu teilen. Dadurch können sie besonders rasch größer werden. Betroffene merken häufig Symptome wie zunehmende Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle oder Veränderungen des Denkens und Verhaltens, weil der Tumor Druck auf Hirnstrukturen ausübt oder diese direkt schädigt.


Beide Tumorarten gehören zu den Erkrankungen, deren genaue Ursache trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig verstanden ist. Sicher ist, dass sie aus Veränderungen der Erbinformation in einzelnen Gehirnzellen entstehen, die dazu führen, dass sich diese Zellen nicht mehr normal regulieren lassen. Moderne Diagnostik, vor allem bildgebende Verfahren und molekulare Untersuchungen, hilft heute dabei, ein Gliom oder Glioblastom genauer einzuordnen. Das ermöglicht besser abgestimmte Behandlungen, die meist aus einer Kombination von Operation, Bestrahlung und Medikamenten bestehen.

 

Gliome und insbesondere Glioblastome lassen sich heute wesentlich genauer beschreiben als früher, weil man sowohl das Verhalten der Tumorzellen als auch ihre biologischen Eigenschaften besser versteht.

 

Wie sie entstehen

Gliome entstehen aus Gliazellen, also den unterstützenden Zellen des Gehirns und Rückenmarks. Diese Tumoren bilden keine harte Kapsel, sondern wachsen meistens verzweigt in das umliegende Hirngewebe hinein. Dadurch lassen sie sich chirurgisch oft nicht vollständig entfernen. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden verschiedene Untergruppen, weil nicht jedes Gliom gleich schnell wächst oder gleich gut auf Therapien anspricht. Die Einteilung basiert heute vor allem auf bestimmten genetischen Veränderungen in den Tumorzellen. Diese genetischen Merkmale geben Hinweise auf die zu erwartende Krankheitsentwicklung und helfen bei der Auswahl der passenden Behandlung. Ein wichtiges Merkmal ist zum Beispiel, ob der Tumor eine Veränderung im sogenannten IDH-Gen aufweist. Tumoren mit dieser Veränderung wachsen meist langsamer und haben insgesamt eine bessere Prognose. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der MGMT-Promotor, eine Art Schalter im Erbgut, der beeinflusst, wie gut die Tumorzellen eine bestimmte Chemotherapie reparieren können. Wenn dieser Schalter „ausgeschaltet“ ist, spricht der Tumor oft besser auf die Behandlung an.

Ein Glioblastom ist ein hochgradiges Gliom und zeichnet sich durch besonders schnelles und aggressives Wachstum aus. Die Tumorzellen teilen sich häufig und dringen weit in das umliegende Gehirngewebe ein, oft über die sichtbaren Grenzen im MRT hinaus. Typisch ist auch, dass der Tumor neue Blutgefäße bildet, um seinen hohen Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen zu decken. Diese Gefäße sind oft instabil, wodurch kleine Blutungen im Tumor auftreten können. Zusätzlich findet man bei Glioblastomen häufig Zonen, in denen Tumorzellen so schnell wachsen, dass einzelne Bereiche nicht mehr ausreichend versorgt werden und absterben. Das führt zu typischen Nekrosezentren, die in der Bildgebung gut erkennbar sind. Im Gegensatz zu manchen anderen Gliomen besitzen Glioblastome in der Regel keine IDH-Mutation. Das ist ein Grund dafür, dass ihre Prognose deutlich ungünstiger ist.

 

Wichtigste Symptome

Gliome und Glioblastome verursachen Beschwerden nicht deshalb, weil der Tumor selbst schmerzhaft wäre, sondern weil er Platz im Gehirn beansprucht oder bestimmte Hirnfunktionen beeinträchtigt. Die Symptome hängen deshalb stark davon ab, in welcher Hirnregion der Tumor wächst. Häufig treten Kopfschmerzen auf, die besonders morgens stärker sein können oder sich im Verlauf verändern. Manche Betroffene entwickeln epileptische Anfälle, weil der Tumor elektrische Signale im Gehirn stört. Ebenso typisch sind Schwäche oder Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen, Sprachprobleme, Sehstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Symptome können langsam oder plötzlich auftreten, je nachdem, wie rasch der Tumor wächst und wie empfindlich die betroffene Region ist.

 

 

Die Behandlung

 

Die Behandlung von Gliomen und insbesondere Glioblastomen ist anspruchsvoll. Eine Operation zielt darauf ab, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne wichtige Hirnfunktionen zu gefährden. Je vollständiger die Entfernung gelingt, desto günstiger ist meist der weitere Verlauf, obwohl fast immer mikroskopisch kleine Tumorzellen im Gehirn zurückbleiben. Nach der Operation folgt in der Regel eine gezielte Bestrahlung, die verbliebene Tumorzellen schädigen soll. Ergänzend kommt häufig eine Chemotherapie zum Einsatz, beim Glioblastom meist das Medikament Temozolomid. Diese Kombination ist heute der Standard, weil sie das Fortschreiten der Erkrankung am längsten hinauszögern kann. In bestimmten Situationen, zum Beispiel wenn der Tumor bestimmte biologische Merkmale zeigt, können auch zielgerichtete Therapien oder immunologische Ansätze ausprobiert werden, wenngleich ihr Nutzen bisher begrenzt ist.

Trotz moderner Therapien ist ein Glioblastom weiterhin eine schwere Erkrankung. Entscheidend für den Behandlungserfolg sind das biologische Verhalten des Tumors, der allgemeine Gesundheitszustand der betroffenen Person und die Lage des Tumors im Gehirn. Bei anderen Gliomen, besonders jenen mit günstigen genetischen Merkmalen, kann der Verlauf deutlich langsamer sein und sich über viele Jahre erstrecken.

 

 

Aktuelle Therapieansätze

Die Behandlung richtet sich nach der Art, dem genetischen Profil und der Lage des Tumors. Ein häufiges Ziel der Operation ist die größtmögliche Entfernung des Tumors, ohne wichtige Funktionen zu gefährden. Moderne Verfahren wie bildgestützte Navigation und intraoperative Überwachung helfen dabei, so präzise wie möglich zu operieren. Nach der Operation folgt meist eine Bestrahlung, die verbliebene Tumorzellen schädigt und das Wiederwachstum verzögert. Bei hochgradigen Gliomen, besonders beim Glioblastom, kommt zusätzlich eine Chemotherapie mit Temozolomid zum Einsatz, da dieser Wirkstoff gut ins Gehirn gelangt und die Tumorzellen in ihrer Teilung hemmt.

Es gibt außerdem neuere Ansätze, die an biologischen Besonderheiten der Tumoren ansetzen. Dazu gehören zielgerichtete Medikamente, die bestimmte Signalwege stören sollen, sowie immuntherapeutische Verfahren, die das Abwehrsystem gegen die Tumorzellen richten. Obwohl diese Methoden vielversprechend sind, zeigen sie bislang nur bei einzelnen Patientengruppen deutlichen Nutzen. Forschung findet aktuell auch zu Impfstoffen gegen Tumorantigene, zu CAR-T-Zellen und zu Verfahren statt, die die Blut-Hirn-Schranke vorübergehend öffnen sollen, um Medikamente besser ins Gewebe zu bringen.

 

Genetische Marker

Moderne Diagnostik untersucht Tumorgewebe nicht mehr nur unter dem Mikroskop, sondern auch auf typische genetische Veränderungen. Ein besonders wichtiger Marker ist die IDH-Mutation. Tumoren mit dieser Veränderung wachsen meist langsamer und haben eine bessere Prognose. Glioblastome haben fast immer keine IDH-Mutation, was einer der Gründe für ihren aggressiveren Verlauf ist.

Ebenfalls relevant ist der MGMT-Promotor. Wenn dieser Teil des Erbguts „methyliert“ ist – also eine Art biochemische Markierung trägt – kann der Tumor bestimmte Schäden durch Chemotherapie weniger gut reparieren. Betroffene profitieren dann häufiger vom Einsatz von Temozolomid. Weitere genetische Veränderungen wie 1p/19q-Kodelletion, ATRX-Status oder Veränderungen in Genen wie EGFR oder PTEN helfen dabei, den Tumor genauer zu klassifizieren und das Verhalten besser einzuschätzen. Diese Marker beeinflussen sowohl die Diagnose als auch die Therapieplanung.

 

Prognosefaktoren

Die Prognose hängt von mehreren Komponenten ab. Das genetische Profil des Tumors ist heute einer der stärksten Vorhersagefaktoren. Ein IDH-mutiertes Gliom mit 1p/19q-Kodelletion hat häufig einen deutlich langsameren Verlauf und kann über viele Jahre stabil bleiben. Ein Glioblastom ohne IDH-Mutation und mit zusätzlichen aggressiven Veränderungen verhält sich dagegen meist sehr viel schneller wachsend.

Auch die Lage des Tumors spielt eine große Rolle: Tumoren in Regionen, die gut operativ erreichbar sind, lassen sich oft weitergehend entfernen, was die Überlebenszeit verbessern kann. Der allgemeine Gesundheitszustand und das Alter der betroffenen Person sind ebenfalls wichtig, da sie bestimmen, wie gut jemand die Therapie toleriert. Die Geschwindigkeit, mit der ein Tumor nach Behandlung erneut wächst, ist ein weiterer entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf.

 

Untersuchung mittels MRT

 

Ein MRT zeigt Tumoren nicht als „Knoten“ wie auf einem Foto, sondern als Bereiche, die sich in bestimmten Bildsequenzen anders darstellen als gesundes Hirngewebe. Die typische Darstellung unterscheidet sich je nach Tumorart und verwendetem Kontrastmittel.

Ein Gliom erscheint im MRT oft als heller oder dunkler Bereich, je nachdem, welche Sequenz betrachtet wird. Niedriggradige Gliome sind manchmal relativ homogen und heben sich nur dezent vom umliegenden Gewebe ab. Sie zeigen häufig eine langsame Veränderung über die Zeit. Hochgradige Gliome, zu denen das Glioblastom gehört, wirken dagegen eher unregelmäßig. Ein Glioblastom nimmt nach der Gabe von Kontrastmittel meist stark Randbereiche auf, während das Zentrum oft dunkel bleibt, weil dort Zellen aufgrund des schnellen Wachstums abgestorben sind. Die Umgebung wirkt häufig „verwischt“ oder aufgequollen, was auf eine Wasseransammlung im Gewebe hindeutet. Dieser sogenannte Ödemsaum ist ein Zeichen dafür, dass der Tumor das umliegende Gehirn beeinträchtigt. In speziellen Sequenzen kann man außerdem erkennen, wie aktiv der Tumor ist oder ob möglicherweise Blutabbauprodukte vorhanden sind.

Der Alltag während der Therapie ist je nach Behandlung unterschiedlich und verändert sich häufig im Verlauf. Die Zeit rund um die Operation besteht meist aus einem kurzen Krankenhausaufenthalt. Viele Menschen sind danach für einige Tage müde, haben Kopfschmerzen oder merken leichte neurologische Veränderungen, die sich mit Unterstützung und Rehabilitation oft bessern. Nach einer solchen Operation beginnt für viele die Phase der Strahlen- und Chemotherapie. Die Bestrahlung findet in der Regel an Werktagen über mehrere Wochen statt und dauert pro Sitzung nur wenige Minuten, auch wenn der gesamte Besuch länger sein kann. Viele Betroffene gewöhnen sich schnell daran, die Bestrahlung fest in den Tagesablauf einzuplanen. Müdigkeit ist dabei eines der häufigsten Begleitsymptome, sodass viele Menschen mehr Ruhepausen brauchen als zuvor.

Die begleitende Chemotherapie, zum Beispiel mit Temozolomid, wird häufig in Tablettenform eingenommen. Dadurch lässt sie sich zu Hause durchführen, was den Alltag erleichtert. Die Einnahme erfolgt in klar vorgegebenen Zyklen, und die Blutwerte müssen regelmäßig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass das Medikament gut vertragen wird. Manche Menschen erleben nur geringe Nebenwirkungen, während andere Übelkeit, Müdigkeit oder ein geschwächtes Immunsystem spüren. Die behandelnden Teams achten darauf, Nebenwirkungen früh zu erkennen und zu behandeln.

Rehabilitation, Physiotherapie, Ergotherapie und neuropsychologische Unterstützung spielen im Alltag vieler Betroffener eine wichtige Rolle. Diese Maßnahmen helfen dabei, verloren gegangene Fähigkeiten zu verbessern, den Körper zu stärken und geistige Belastbarkeit zu fördern. Viele Menschen passen ihren Tagesrhythmus an, planen fixe Ruhezeiten ein und verteilen anspruchsvolle Aufgaben auf ihre individuell leistungsstärkeren Tageszeiten. Häufig entsteht ein enger Kontakt zu Ärztinnen, Pflegefachpersonen und Psychologinnen, da regelmäßige Kontrollen wichtig sind. Dazu gehören wiederholte MRT-Aufnahmen, die zeigen sollen, ob der Tumor stabil bleibt, weiter wächst oder auf die Therapie anspricht.

 

Strahlentherapie

 

Eine Strahlentherapie bei Gliomen und Glioblastomen folgt meist einem gut strukturierten Ablauf, damit die Behandlung wirksam ist und gleichzeitig das umliegende gesunde Hirngewebe bestmöglich geschont wird. Ich beschreibe dir den Prozess, typische Nebenwirkungen und wie Angehörige den Alltag hilfreich mitgestalten können – weiterhin in einfacher, klarer Sprache.

 

Ablauf einer typischen Strahlentherapieserie

Bevor die Bestrahlung überhaupt beginnt, findet ein genaues Planungsgespräch statt. Dabei wird erklärt, wie viele Sitzungen vorgesehen sind und welche Ziele die Behandlung hat. Anschließend wird ein Planungs-MRT oder Planungs-CT durchgeführt. Diese Aufnahmen dienen dazu, den Tumor und seine Umgebung exakt zu vermessen. Auf dieser Grundlage berechnen die Ärztinnen und Physikerinnen millimetergenau, aus welchen Winkeln und mit welcher Strahlendosis behandelt wird.

Während der gesamten Bestrahlungsphase liegt die Patientin oder der Patient für jede Sitzung in einer speziellen Maske aus Kunststoff, die individuell angepasst wurde. Diese Maske hält den Kopf ruhig, damit die Strahlen exakt den richtigen Bereich treffen. Eine einzelne Sitzung dauert meist nur wenige Minuten. Man spürt dabei keine Wärme und keinen Schmerz; die Maschine macht lediglich leise Geräusche.

Die Behandlung findet an fünf Tagen pro Woche statt, meistens über etwa sechs Wochen. Der gesamte Besuch dauert in der Regel deutlich länger als die eigentliche Bestrahlung, weil Vorbereitung und Positionierung Zeit benötigen. Zwischen den einzelnen Sitzungen kann der Alltag meist normal weitergehen, sofern sich die Person körperlich dazu in der Lage fühlt.

 

Typische Nebenwirkungen und wie man damit umgehen kann

Häufig auftretende Nebenwirkungen sind Müdigkeit, die sich im Verlauf der Wochen steigern kann, sowie lokale Hautreizungen im Bereich, durch den die Strahlen eintreten. Die Haut kann etwas gerötet oder empfindlich werden, ähnlich wie bei einem leichten Sonnenbrand. Viele Menschen berichten außerdem von Konzentrationsproblemen oder einer allgemeinen geistigen Erschöpfbarkeit, weil das Gehirn während dieser Zeit stark beansprucht wird.

Je nach Lage des Tumors können auch lokale Beschwerden auftreten, etwa Haarausfall in dem bestrahlten Bereich oder leichte Schwellungen im Gehirn. Gegen solche Schwellungen werden manchmal entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Ärztinnen und Pflegeteams überwachen engmaschig, ob Nebenwirkungen auftreten, und können mit Hautpflege, Medikamenten gegen Übelkeit oder zusätzlichen Pausenplänen unterstützen. Wichtig ist, dass Betroffene alle Beschwerden offen ansprechen, denn vieles lässt sich gut behandeln, wenn es früh erkannt wird.

Wie Angehörige den Alltag hilfreich mitgestalten können

Angehörige sind häufig eine große Stütze, ohne die der Alltag deutlich anstrengender wäre. Besonders wichtig ist es, gemeinsam einen Tagesrhythmus zu entwickeln, der ausreichend Erholung zulässt. Viele Menschen profitieren davon, wenn Angehörige morgens oder nach der Bestrahlung bei organisatorischen Dingen helfen, zum Beispiel bei Fahrten zur Klinik, bei Einkäufen oder bei Verwaltungsaufgaben.

Auch emotionale Unterstützung spielt eine große Rolle. Ruhe auszustrahlen, geduldig zuzuhören und Verständnis zu zeigen, nimmt vielen Betroffenen Stress und Schuldgefühle. Manche Menschen brauchen während der Therapie jemanden, der ihnen hilft, ihre Belastbarkeit realistisch einzuschätzen und nicht zu viel auf einmal zu wollen. Angehörige können außerdem dabei helfen, Termine im Blick zu behalten, Medikamente korrekt einzunehmen und Beobachtungen über Veränderungen festzuhalten, die man mit dem Behandlungsteam besprechen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, gemeinsam angenehme Routinen zu schaffen. Das können kleine Spaziergänge, kurze Pausen auf dem Balkon, gemeinsames Kochen, das Anschauen einer Serie oder einfach stille gemeinsame Zeit sein. Solche Inseln im Alltag helfen, sich nicht von der Erkrankung vollständig vereinnahmen zu lassen. Angehörige sollten aber auch auf sich selbst achten und Unterstützung annehmen, damit ihre eigene Kraft nicht verloren geht.

 

Zusatzinformationen:

 

 

Blut-Hirn-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke ist eine Art biologischer Filter zwischen dem Blutkreislauf und dem Gehirn. Sie sorgt dafür, dass nur bestimmte Stoffe aus dem Blut überhaupt ins Gehirn gelangen. Das ist wichtig, weil Nervenzellen sehr empfindlich sind und schon kleine Veränderungen im inneren Milieu Schaden verursachen könnten. Man kann sich die Blut-Hirn-Schranke wie eine extrem wählerische Tür vorstellen, die nur ausgewählte Moleküle hindurchlässt.

Diese Tür entsteht durch besondere Eigenschaften der Blutgefäße im Gehirn. Die Zellen der Gefäßwand sind dort besonders eng miteinander verbunden, sodass kaum Zwischenräume existieren. Zusätzlich umgeben Stützzellen des Gehirns, sogenannte Astrozyten, die Gefäße wie eine zusätzliche Schutzschicht. Dadurch kann das Gehirn genau kontrollieren, welche Stoffe es aufnimmt und welche draußen bleiben.

Für Therapien bedeutet diese Schutzfunktion, dass viele Medikamente das Gehirn nur schlecht oder gar nicht erreichen. Viele Wirkstoffe sind zu groß oder zu wasserlöslich und können die engen Barrieren nicht durchdringen. Selbst wenn ein Medikament grundsätzlich wirksam gegen Tumorzellen wäre, kann es sein, dass es im Blut bleibt, bevor es die Stelle erreicht, an der es gebraucht wird. Die Blut-Hirn-Schranke ist also eine der größten Herausforderungen in der Behandlung von Hirntumoren und erklärt, warum manche Medikamente, die in anderen Körperregionen gut wirken, im Gehirn kaum Nutzen bringen.

Bei Glioblastomen kommt hinzu, dass der Tumor selbst die Blut-Hirn-Schranke ungleichmäßig verändert. Einige Bereiche sind durchlässiger, andere bleiben weiterhin abgeschottet. Das führt dazu, dass Medikamente ungleich verteilt werden und manche Tumorzellen gar nicht erreicht werden. Deshalb wird intensiv daran geforscht, wie man die Schranke zeitweise gezielt öffnen oder Medikamente so verändern kann, dass sie leichter ins Gehirn gelangen. Methoden wie Ultraschall-gestützte Öffnung der Barriere, Nanopartikel oder spezielle Transportmechanismen gehören zu diesen Ansätzen, befinden sich aber noch größtenteils in der Entwicklung.

 

Neue Ansätze

Viele neue Ansätze befinden sich noch in der klinischen Prüfung und sind nicht Teil der Standardtherapie. Sie sollen entweder den Zugang zum Gehirn verbessern oder Tumorzellen gezielter angreifen.

Fokussierter Ultraschall zur Öffnung der Blut-Hirn-Schranke

Bei dieser Methode wird von außen Ultraschall punktgenau auf eine region des Gehirns gerichtet. Gleichzeitig werden winzige Gasbläschen im Blutkreislauf verwendet, die sich durch den Ultraschall vorübergehend ausdehnen und zusammenziehen. Dadurch öffnen sich die engen Verbindungen der Blut-Hirn-Schranke für kurze Zeit minimal. Medikamente können in dieser Phase leichter hinein gelangen. Die Öffnung ist reversibel, also nicht dauerhaft. Dieses Verfahren wird derzeit in Studien bei Glioblastomen getestet.

Antikörper- und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

Antikörper erkennen bestimmte Strukturen auf Tumorzellen. In Studien wird getestet, ob man Medikamente an solche Antikörper koppeln kann, sodass die Behandlung gezielter bei den Tumorzellen ankommt und weniger gesundes Gewebe erreicht. Manche dieser Antikörper nutzen zusätzlich Rezeptor-Transportwege der Blut-Hirn-Schranke.

Tumorimpfstoffe

Tumorimpfstoffe zielen darauf ab, das Immunsystem zu trainieren, Tumorzellen präziser zu erkennen. Ein Beispiel ist der Ansatz, Tumor-spezifische Eiweiße wie mutiertes IDH oder EGFRvIII als „Erkennungsmerkmal“ zu nutzen. Noch gibt es keine zugelassene Impftherapie gegen Gliome oder Glioblastome, aber aktive Forschung läuft.

CAR-T-Zellen für Hirntumoren

CAR-T-Zellen sind gentechnisch veränderte Abwehrzellen, die Tumorzellen gezielt erkennen. Für Blutkrebs sind sie bereits etabliert, für Hirntumoren werden sie noch erforscht. Eine große Herausforderung ist dabei, die Zellen sicher und wirksam ins Gehirn zu bringen, ohne starke Entzündungsreaktionen auszulösen. Manche Studien verabreichen die CAR-T-Zellen direkt in die Nähe des Tumors oder in das Nervenwassersystem, um die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen.

Virusbasierte Therapien

Bestimmte abgeschwächte Viren werden so modifiziert, dass sie Tumorzellen infizieren und diese schädigen oder das Immunsystem aktivieren. Diese Viren werden gezielt in das Tumorgewebe eingebracht. Auch hier befindet sich vieles noch in frühen Studienphasen.

 

 

Quellen:

 

  • H. Hanif et al.: “Glioblastoma Multiforme: A Review of its Epidemiology and …” (2017) — bietet einen Überblick über Epidemiologie, Behandlung und Herausforderungen von Glioblastomen. PMC

  • P.P. Segura et al.: “SEOM-GEINO clinical guidelines for high-grade gliomas of …” (2023) — klinische Leitlinie zu hochgradigen Gliomen inkl. Glioblastom. PMC

  • M. Weller et al.: “EANO guidelines on the diagnosis and treatment of diffuse …” (2021) — evidenzbasierte Leitlinie für diffuse Gliome. Nature

  • R. Kotecha et al.: “Key Clinical Principles in the Management of Glioblastoma” (2023) — moderne Übersicht zur Therapie und Evidenzlage beim Glioblastom. ascopubs.org

  • A. Lerner et al.: “Gliomas in adults: Guidance on investigations, diagnosis, …” (2024) — Praxis-orientierte Anleitung zu Gliomen. ScienceDirect

 

Forschung in Österreich

 

  • Die österreichische Forschungsgruppe ATTRACT – Advanced brain Tumor TheRApy Clinical Trial beschäftigt sich speziell mit Glioblastomen und zielt darauf ab, neue Therapien für ungünstige Tumor-Untergruppen zu entwickeln, z. B. bei MGMT-Promotor unmethylierten Glioblastomen.

 

 

✅ Was ist bereits erreicht

  • Servier bietet das Medikament Vorasidenib (Handelsname „VORANIGO™“) an, das gezielt IDH1/2-mutierte Tumoren adressiert.

  • In der Phase-3-Studie mit dem Namen INDIGO Trial (NCT04164901) wurde Vorasidenib bei Patienten mit Grad-2-Gliomen mit IDH1/2-Mutation untersucht.

  • Laut der längeren Nachbeobachtung der INDIGO-Studie zeigte Vorasidenib eine deutliche Verlängerung der „progression-free survival“ (PFS) gegenüber Placebo: z. B. Median PFS nicht schätzbar („not estimable“) im Vorasidenib-Arm versus ca. 11,4 Monate im Placebo-Arm.

  • Der UK-Regierungsbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) wurde Vorasidenib am 16. September 2025 zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren) mit Grad 2 IDH-mutiertem Gliom genehmigt – das erste Mal für diese Indikation.

  • Die Europäische Kommission hat ebenfalls die Zulassung erteilt

 

 

⚠️ Was noch in Arbeit ist

  • Zwar ist die Zulassung für Grad 2 IDH-mutierte Gliome erreicht, aber für höhergradige Tumoren (z. B. Grad 3 oder Grad 4) mit IDH-Mutation oder für Tumoren ohne IDH-Mutation sind weitere Studien erforderlich. Servier berichtet, dass Daten aus einer Phase 1b/2-Studie mit Vorasidenib in Kombination mit Standard-Chemotherapie bei höhergradigen IDH-mutierten Gliomen vorgestellt werden sollen.

  • Die Langzeitdaten werden weiterhin gesammelt („ongoing follow-up“) und Servier plant weitere Auswertungen der INDIGO-Studie und vergleichbarer Programme.

  • Zugang, Kostenübernahme und Einsatz in unterschiedlichen Ländern sind noch variabel. Beispielsweise wird in UK über die Erstattung („reimbursement“) mit Behörden wie National Institute for Health and Care Excellence (NICE) verhandelt.

 

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